Symbolbild Inventarliste mit Lupe

Außereuropäische Objekte in Krefelder Sammlung untersucht

Forschungsergebnisse bestätigen Erwerbungen aus Kontexten kolonialer Machtverhältnisse.

Die Kunstmuseen Krefeld haben in einem Forschungsprojekt den kolonialen Kontext ihres Bestandes an ethnografischem Sammlungsgut wissenschaftlich untersuchen lassen. Forschungsergebnisse und eine Auswahl an Objekten werden nun im Rahmen der Ausstellungsserie Sammlung in Bewegung im Kaiser Wilhelm Museum in Krefeld präsentiert. Das Projekt wurde durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste gefördert und von der Provenienzforscherin Gesa Grimme betreut.

Die Sammlung der Kunstmuseen Krefeld umfasst mehr als 24.000 Werke, darunter auch rund 115 außereuropäische Objekte, die zwischen 1891 und 1930 nach Krefeld kamen – eine Zeit, in der europäische Kolonialmächte, darunter auch das Deutsche Reich, weitreichende politische und wirtschaftliche Kontrolle über zahlreiche Regionen in Afrika, Asien und Ozeanien ausübten.

„Der in den Kunstmuseen Krefeld durchgeführte ,Erstcheck‘ ermöglichte eine erste Bewertung von Sammlungsgut und seinen Erwerbsumständen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Objekte aus kolonialen Kontexten nicht nur von ethnologischen Museen gesammelt wurden. Auch Museen anderer Sparten waren während und nach der deutschen Kolonialzeit bestrebt, außereuropäische Objekte zu erwerben. Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste begrüßt, dass die Projektergebnisse in eine öffentliche Ausstellung eingeflossen sind, um die Relevanz der Provenienzforschung sichtbar zu machen“, betont Dr. Michael Franz, ständiger Vertreter des hauptamtlichen Vorstands des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste.

Im Rahmen des Forschungsprojekts wurde der Objektbestand systematisch auf seine Herkunft, Erwerbsumstände und mögliche kultursensible Bedeutung untersucht. Die Forschungsergebnisse bestätigen bei einem Großteil der Objekte den Erwerb im Kontext kolonialer Machtverhältnisse. Aufgrund lückenhafter historischer Dokumentationen ließ sich jedoch nicht in allen Fällen eindeutig rekonstruieren, aus welchen konkreten Regionen oder unter welchen Umständen die Gegenstände nach Krefeld gelangten. Die identifizierten Herkunftsregionen umfassen unter anderem Gebiete unter deutscher, niederländischer, britischer und belgischer Kolonialherrschaft – darunter „Deutsch-Westafrika“, „Deutsch-Ostafrika“ sowie „Niederländisch-Indien“ und „Britisch-Neuguinea“.

Der Bestand umfasst vorrangig Gebrauchsgegenstände. Hinweise auf gewaltsame Aneignung fanden sich bisher nicht. Dennoch kann aufgrund der unvollständigen Quellenlage nicht ausgeschlossen werden, dass einzelne Erwerbungen unter problematischen Bedingungen erfolgten. Es ist daher festzuhalten, dass aufgrund der fehlenden Dokumentation in keinem Fall ein unrechtmäßiger Erwerb im Sinne der Definition des Leitfadens zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten des Deutschen Museumsbunds ausgeschlossen werden kann.

Zum Projekt Erste Bestandsprüfung ethnografischer Objekte der Kunstmuseen Krefeld mit Blick auf koloniale Kontexte