Ölgemälde von Ferdinand Georg Waldmüller, 1858, gezeigt werden heimkehrende Kinder.
NS-Raubgut

Bund restituiert NS-Raubkunst

Ein Gemälde von Ferdinand Georg Waldmüller wurde der Erbengemeinschaft nach Grete Klein übergeben.

Die Kunstverwaltung des Bundes hat das Gemälde „Hansl’s erste Ausfahrt (Heimkehrende Kinder)“ von Ferdinand Georg Waldmüller an die Erbinnen und Erben nach Grete Klein zurückgegeben. Es wurde der österreichischen Unternehmerin NS-verfolgungsbedingt entzogen, vermutlich infolge des Anschlusses Österreichs zwischen März und Dezember 1938. Das Ölgemälde hatte mutmaßlich seit 1918 zur Kunstsammlung Kleins gehört.

Grete Klein (geb. Fischer, 1884–1962) lebte in Mödling und Wien. Zweifellos gehörten sie und ihr Ehemann Karl Klein (1879–1955) aufgrund ihrer jüdischen Herkunft nach dem sogenannten Anschluss Österreichs im März 1938 zu den Verfolgten des NS-Regimes. Am 5. Januar 1939 schloss der NS-Staat Grete Kleins Babyschuhfabrik in Wien und verkaufte sie an eine nicht-jüdische Mitarbeiterin des Betriebs. Schmuck und Silber musste das Ehepaar Klein aufgrund einer Verordnung des NS-Regimes im Februar 1939 unter Wert an eine öffentliche Ankaufstelle veräußern. Im Dezember 1939 flohen Grete und Karl Klein nach Palästina; ihr in Österreich verbliebenes Vermögen ging auf das Deutsche Reich über, auch ihre Villa in Mödling enteigneten die Nationalsozialisten. Laut Familienüberlieferung befanden sich in der enteigneten Villa neben dem Waldmüller ca. 35 weitere Gemälde, darunter Werke von Friedrich Gauermann und anderen Künstlern. Auch eine umfangreiche Sammlung an geschliffenen Gläsern aus Böhmen und Zinntellern mit „Judaica“-Motiven gehörten zum Inventar der Mödlinger Villa. Bis heute gelten alle Kunstgegenstände als verschollen.

Provenienzrecherchen von Gregor Derntl unter Mitarbeit von Dr. Jakob Eisler sowie der Kunstverwaltung des Bundes ergaben, dass auch das Gemälde „Hansl’s erste Ausfahrt“ Grete Klein NS-verfolgungsbedingt entzogen wurde. Die Kunsthändlerin Maria Almas-Dietrich, über die das Gemälde spätestens im Dezember 1938 an Adolf Hitlers (Vorläufersammlung des) „Sonderauftrag Linz“ gelangte, profitierte bei ihren Erwerbungen von der antisemitischen Verfolgungspolitik des NS-Staats erheblich; nach dem sogenannten Anschluss Österreichs war sie vielfach auch dort aktiv. Obwohl nicht lückenlos nachverfolgt werden konnte, wann genau der Verkauf bzw. Verlust des Waldmüller-Gemäldes stattgefunden hat, lassen die recherchierten Fakten auf einen NS-verfolgungsbedingten Entzug zwischen März und Dezember 1938 schließen.

Ferdinand Georg Waldmüller (1793–1865) war ein österreichischer Genre- und Landschaftsmaler. Über 60 Gemälde Waldmüllers wurden für den „Sonderauftrag Linz“ erworben.

Nach dem Krieg stellten die amerikanischen Streitkräfte das Werk im Salzbergwerk Altaussee in der Steiermark sicher. Sie überführten es am 27. Juli 1945 in den Münchner Central Collecting Point (CCP), wo es unter der Nummer 1740 inventarisiert wurde. Auf Grundlage von Artikel 134 Grundgesetz ist das Gemälde 1960 als ehemaliges Reichsvermögen in den Kunstbestand des Bundes gelangt. Zuletzt befand es sich als Leihgabe im Museum Wiesbaden, wo es am 10.07.2025 durch die Kunstverwaltung des Bundes persönlich an die Erbinnen und Erben nach Grete Klein übergeben wurde.

Die ausführlichen Ergebnisse der Provenienzforschung zu dem Waldmüller-Gemälde sind in der Provenienzdatenbank des Bundes unter provenienzdatenbank.bund.de veröffentlicht.

Ferdinand Georg Waldmüller, Hansl's erste Ausfahrt (Heimkehrende Kinder), 1858