Die Lippische Landesbibliothek / Theologische Bibliothek und Mediothek hat begonnen, die Herkunft von Beständen zu untersuchen, die im Verdacht stehen, zwischen 1933 und 1945 Personen und Institutionen unrechtmäßig entzogen worden und anschließend in die Bibliothek gelangt zu sein. Die eigens für dieses Projekt eingestellte Kulturwissenschaftlerin Antonia Reck untersucht zunächst für ein Jahr die Medien, die aus der „Zeitgeschichtlichen Sammlung“ Eduard Wiegands (1893–1979) stammen.
Wiegand war überzeugter Nationalsozialist und leitete die Lippische Landesbibliothek in der NS-Zeit. Er baute eine sogenannte Zeitgeschichtliche Sammlung zur Dokumentation seiner Gegenwart auf, in die er nicht nur Schrifttum und Zeugnisse der NSDAP, sondern auch „unerwünschte“ Bücher und Druckerzeugnisse von Gegnern der Nationalsozialisten und verfolgten Personen integrierte. Nach 1945 wurde die Sammlung aufgelöst; die Bücher wurden in den folgenden Jahren zum Großteil in den Bestand eingearbeitet. Ziel des Forschungsprojektes ist es, diese Medien zu identifizieren und ihre Provenienzen zu prüfen. Gerechnet wird mit früherem Besitz von Gewerkschaften, Freimaurern, jüdischen Institutionen und Einzelpersonen aus der Region Westfalen-Lippe.
Das Forschungsprojekt wird gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste. Begleitet wird die Arbeit der Bibliothek durch die Koordinationsstelle für Provenienzforschung in Nordrhein-Westfalen (KPF.NRW).
Zum Projekt Prüfung der Bestandszugänge 1933–1945 auf NS-verfolgungsbedingten Entzug in der Lippischen Landesbibliothek