Forscherin untersuch ein Objekt
NS-Raubgut

LWL-Museum restituiert zwei Wappenkissen

Erbengemeinschaft Emma Budge erhält weitere Objekte der einstigen Kunstsammlung.

Das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster hat zwei Wappenkissen an ihre rechtmäßigen Eigentümer:innen zurückgegeben. Im Rahmen eines Forschungsprojekts zur kunsthandwerklichen Sammlung des Museums, gefördert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste, identifizierte die Provenienzforscherin Marlene Knut die beiden Kissen als NS-Raubgut. 

Das LWL-Museum überprüft seine Sammlungsbestände systematisch auf NS-verfolgungsbedingt entzogene Kulturgüter. Zwischen 1933 und 1998 wurden knapp 600 kunsthandwerkliche Objekte erworben, deren genaue Provenienz zu Projektbeginn unbekannt oder verdächtig war. Untersucht wurden unter anderem Möbel, Textilien sowie Objekte aus Steingut, Porzellan und Glas. 

Wie Nachforschungen von Knut ergaben, stammen die beiden Wappenkissen aus der Sammlung von Emma (1852-1937) und Henry Budge (1840-1928), einem jüdischen Ehepaar aus Hamburg. Nach dem Tod Emma Budges entschieden sich die Nachlassverwalter angesichts der Bedrohung der jüdischen Erbberechtigten durch den NS-Staat dazu, die hochwertige Kunstsammlung zu versteigern. Die Erlöse wurden jedoch entgegen ihrem Willen auf ein Sperrkonto überwiesen und erreichten die Erbberechtigten nie. 

Neben anderen Kunstmuseen ersteigerte auch das Westfälische Landesmuseum, Vorgänger des LWL-Museums, im Oktober 1937 zwei der Objekte - die beiden Wappenkissen. Wappenkissen trugen das Wappen der Ahnen und bezeugten den Stammbaum ihrer Besitzer:innen. Zur Entstehungszeit dieser Textilarbeiten, um 1612 und 1620, galten Kissen als beliebtes Brautgeschenk.

Hintergrund

In den vergangenen Jahren haben bereits deutsche Museen zahlreiche Objekte an die Erbengemeinschaft Emma Budge zurückgegeben. Auch das LWL-Museum hat zusammen mit der Erbengemeinschaft eine Lösung gefunden: 89 Jahre nach dem Entzug durch das NS-Regime werden die beiden Wappenkissen nun rechtmäßig zurückgegeben. 

Trotz zahlreicher Rückgaben gilt der größte Teil der Ende 1937 in Berlin versteigerten Kunstsammlung von Emma Budge bis heute als verschollen. Mit der Zustimmung der Erbengemeinschaft durften die Wappenkissen vor ihrer Übergabe einen Monat lang im LWL-Museum ausgestellt werden, um auf ihre Herkunft hinzuweisen.

Innerhalb des Projekts kam es bereits 2024 zu einer Restitution: acht Stühle, eine Standuhr, ein Gemälde und eine Lithografie wurden an die Freimaurerloge „Zu den drei Balken“ in Münster restituiert. Seit dem Jahr 2000 konnten somit insgesamt 16 Objekte aus der Museumssammlung an die rechtmäßigen Eigentümer:innen zurückgegeben werden. 

Wichtige Ergebnisse dieses und vorhergehender Provenienzforschungsprojekte sowie die Publikation „Eine Frage der Herkunft. Geschichte(n) hinter den Bildern“ sind im Internet in der Sammlung Online des Museums einzusehen.

Zum Projekt: „Provenienzforschung in den kunsthandwerklichen Sammlungsbeständen. Die Erwerbungen 1933–1998“ (Oktober 2023 bis Dezember 2025)

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Eines der restituierten Wappenkissen.