Das Kooperationsprojekt des Museumsverbandes Hessen (MVH) mit den Stadtmuseen Bad Wildungen und Eschwege endet nach sechs Monaten Laufzeit erfolgreich am 31. Juli 2025. Im Mittelpunkt des vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Vorhabens stand die Untersuchung von insgesamt 68 Museumsobjekten, die ein Erstcheck des Museumsverbandes Hessen im Jahr 2022 als möglicherweise NS-verfolgungsbedingt entzogen eingestuft hatte. Die nun durchgeführten tiefergehenden Forschungen erbrachten wertvolle Ergebnisse für die Museumsarbeit und den Umgang mit den Objekten in den teilnehmenden Museen.
Gegenstand der Recherchen waren drei Gemälde, eine Lithografie, sieben Judaica-Objekte sowie 57 Bücher. Zwei der Gemälde erwarb das Stadtmuseum Bad Wildungen während der NS-Zeit über ein Auktionshaus, das nachweislich mit enteignetem jüdischem Eigentum handelte. Da die rechtmäßigen Eigentümer:innen namentlich nicht ermittelt werden konnten, sollen die Objekte nun in der Lost Art-Datenbank veröffentlicht werden.
Ein weiteres Gemälde stammt aus dem Besitz eines sogenannten Ariseurs und ist NS-verfolgungsbedingt entzogen worden. Hier wollen Museum und Träger die rechtmäßigen Eigentümer:innen beziehungsweise Erbinnen oder Erben suchen, damit eine gerechte und faire Lösung gefunden werden kann. Eine Lithografie von Oskar Kokoschka befindet sich seit 1989 als Dauerleihgabe in der Kunstsammlung Eschwege. Bei ihr konnte nun ausgeschlossen werden, dass das Exemplar, wie anfangs vermutet, aus dem Besitz des jüdischen Kunstkritikers und Schriftstellers Paul Westheim stammt.
Die Judaica-Objekte gelangten seit Ende der 1980er Jahre in die städtischen Museen. Sie wurden im Zuge einer verstärkten Auseinandersetzung mit der Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Eschwege und Bad Wildungen angekauft oder geschenkt, da am Ort selbst kaum Objekte jüdischen Ursprungs erhalten geblieben waren. Ein Sabbath-Leuchter konnte der jüdischen Familie Katz aus Bad Wildungen zugeordnet werden. Die rechtmäßigen Erbinnen und Erben leben heute wahrscheinlich in den USA und sollen ausfindig gemacht werden. Die Bücher im Stadtmuseum Bad Wildungen stammen ursprünglich aus der Bibliothek der Kasseler Synagoge und sollen an die jüdische Gemeinde zurückgegeben werden.
Zum Projekt Einzelfallrecherchen zu Verdachtsfällen von NS-Raubgut in den Stadtmuseen Bad Wildungen und Eschwege