Universitätsbibliothek restituiert an jüdische Logen
Die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg hat in den Räumen der B’nai B’rith Frankfurt Schönstädt Loge im Frankfurter Westend insgesamt 41 Bücher zurückgegeben. Sie wurden im Rahmen eines Provenienzforschungsprojekts, gefördert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste und unterstützt durch die Stadt Frankfurt, an der UB als NS-Raubgut identifiziert. Zehn Bände gingen an B’nai B’rith, 31 an die Odd Fellows Loge.
Goethe-Universität will sich Verantwortung stellen
Dass die Rückgabe 89 Jahre nach der Enteignung allmählich in Gang kommt, wurde durch die Provenienzforschung an der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg möglich. Die systematische Suche nach Büchern aus NS-Unrechtskontexten in den Beständen der Unibibliothek begann im Herbst 2020. Die erste Projektphase, die 2025 endete, machte deutlich: Die Menge an Raubgut in den Beständen ist deutlich größer als erwartet. Die Bücher waren in den 1930er Jahren und später auf unterschiedlichen Wegen in den Besitz der UB gelangt, die selbst eine komplexe institutionelle Geschichte hat.
Bei den restituierten Büchern handelt es sich vor allem um Logenspezifisches: Mitgliederlisten, Literatur zur Geschichte der Logen, Statuten und Gesetze. Materiell sind sie von überschaubarem Wert, der ideelle Wert jedoch ist unschätzbar. In Gesprächen mit den beiden in Frankfurt ansässigen Logen wurde geklärt, dass diese die Bände stellvertretend für die nicht mehr existierende Zweige entgegennehmen würden. Die Bücher von B’nai B’rith verbleiben anschließend als Dauerleihgabe in der Unibibliothek.
Von 103 Logen in Deutschland blieben nur drei übrig
Zehn Bücher wurden an die B’nai B’rith Frankfurt Schönstädt Loge übergeben. Sie gehörten früher Logen in Deutschland und Tschechien, die von den Nationalsozialisten zwangsaufgelöst wurden. B’nai B’rith (Söhne des Bundes) ist eine 1843 von deutschstämmigen jüdischen Einwanderern in New York City gegründete jüdische Loge. In Deutschland existierten am Ende der Weimarer Republik 103 Bnai-Brith-Logen mit mehreren zehntausend Mitgliedern. Die drei Frankfurter Logen waren gemeinsam im Logenhaus an der Eschersheimer Landstraße untergebracht. 1937 wurden die Logen durch die Gestapo aufgelöst, das Frankfurter Haus beschlagnahmt und 1950, stark kriegsbeschädigt, abgerissen. Heute gibt es nur noch drei Logen in Deutschland (Frankfurt, München, Berlin). Ziel des Ordens war und ist die Förderung von Wohltätigkeit und Bildung, die gegenseitige Unterstützung und die jüdische Solidarität.
Odd Fellows: Einst eine der größten Wohltätigkeitsgesellschaften Europas
31 Bücher wurden an die Odd Fellows restituiert, die historisch eng mit B’nai B’rith verbunden sind. Rund ein Drittel der Mitglieder war jüdisch. Auch diese Bücher wurden in Stellvertretung übernommen: Die Bände stammen von Odd Fellows Logen aus ganz Deutschland, Tschechien und Österreich. Der Independent Order of Odd Fellows, eine Handwerkerloge, entstand ursprünglich im 18. Jahrhundert in England und verbreitete sich im 19. Jahrhundert weltweit. Die Frankfurter Goethe-Loge wurde 1875 gegründet. Die Odd Fellows verstehen sich als humanitärer Brüderorden, der Werte wie Freundschaft, Toleranz und Nächstenliebe förderte. Man engagierte sich insbesondere für Bedürftige, half bei Arbeitslosigkeit und in Notlagen und gründete eigene Wohlfahrteinrichtungen.
Mit freundlicher Unterstützung von Anke Sauter, Wissenschaftskommunikation der Universität Frankfurt
Zu den geförderten Projekten:
