Neue Förderprojekte

Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste hat 2025 insgesamt rund 2,8 Millionen Euro für zwölf Forschungsvorhaben zu Kultur- und Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten bewilligt.

Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste setzt seine erfolgreiche Arbeit für die Provenienzforschung in kolonialen Kontexten fort: Im Jahr 2025 hat die Stiftung in Magdeburg insgesamt rund 2,8 Millionen Euro für Projekte in diesem Bereich bewilligt. Provenienzforscher:innen können mit dieser Unterstützung Sammlungsbestände auf Kultur- und Sammlungsgut untersuchen, bei denen der Verdacht auf eine koloniale Aneignung besteht.

Zugesagt wurden Fördermittel für vier kurzfristige Projekte mit einer Laufzeit von wenigen Monaten sowie sieben langfristige Projekte, die über mehrere Jahre laufen, ein weiteres Projekt wurde verlängert. Einen Schwerpunkt der Förderung bildet die Forschung zu Sammlungsgut aus ehemals deutschen Kolonien, wobei Projekte zu menschlichen Überresten und sakralen Gegenständen Priorität haben.

Positiv sei die immer engere Zusammenarbeit mit Herkunftsgesellschaften, sagt Meike Hopp, Vorständin des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste: „Die Zahl der Forschungsprojekte, die von Anfang an gemeinsam mit Expert:innen aus den Herkunftsregionen entwickelt werden, nimmt zu – ebenso wie die Zahl der Kooperationen deutscher Sammlungen untereinander. Das bietet die Chance, kolonialzeitliche Bestände institutionenübergreifend und mit Blick auf ganz bestimmte Herkunftsgesellschaften zu untersuchen. Damit rückt die Perspektive jener Menschen in den Vordergrund, deren Vorfahren von kolonialer Unterdrückung und Kulturgutentzug betroffen waren.“

So startete jüngst an der Universität Gießen ein Forschungsprojekt, das gemeinsam mit tansanischen Partnern aus der Kilimanjaro-Region entwickelt wurde. Dabei wird gezielt nach menschlichen Überresten und persönlichen Gegenständen namentlich bekannter Familien geforscht.

Untersucht werden aber auch Objekte aus Regionen, die bisher weniger Aufmerksamkeit erhalten haben – etwa Kulturgüter aus dem Pays Dogon in Mali, die aus Höhlen, Nekropolen und Grabstätten geplündert worden waren; im Fokus des Projekts stehen mutmaßlich sakrale Grabbeigaben im Bestand der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Ein wichtiges Projekt der Grundlagenforschung haben australische Forscher:innen zusammen mit der Universität Potsdam initiiert: Hier werden die Geschäftsunterlagen von Londoner Ethnografika-Händlern analysiert. Vielen deutschen Museen wird dies die Provenienzforschung erleichtern, denn sehr viele Häuser kauften zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch in England. 

Das von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden zum 1. Januar 2015 gegründete Deutsche Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg ist in Deutschland zentraler Ansprechpartner zu Fragen unrechtmäßig entzogenen Kulturguts. Das Zentrum wird vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien institutionell gefördert. Das Hauptaugenmerk des Zentrums gilt dem im Nationalsozialismus verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgut, insbesondere aus jüdischem Besitz. Daneben zählen Kultur- und Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten, kriegsbedingt verlagerte Kulturgüter sowie Kulturgutentziehungen in Sowjetischer Besatzungszone und DDR zu den Handlungsfeldern des Zentrums. Für die Provenienzforschung zu Kultur- und Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten wurden seit Einführung dieser Förderlinie im Jahr 2019 insgesamt rund 14,6 Millionen Euro für 95 Projekte bewilligt.

Antragsberechtigt sind alle Einrichtungen in Deutschland in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft, die Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten sammeln, bewahren oder erforschen. Dazu zählen Museen, Universitäten und andere Forschungseinrichtungen. Außerdem können Anträge auch von Einrichtungen gestellt werden, die als gemeinnützig anerkannt sind und ihren Sitz in Deutschland haben.