Das kulturelle Erbe kamerunischer Gemeinschaften in deutschen Sammlungen: Ein Community-orientierter Ansatz zur kollaborativen Provenienz- und Objektforschung
Das Projekt untersucht die Provenienz von Machtobjekten ausgewählter kamerunischer Gemeinschaften (Bakoko, Bamum, Duala und Maka), deren materielles Erbe während der deutschen Kolonialzeit transloziert wurde und sich in den größten ethnologischen Museen Deutschlands befindet: Stuttgart, Berlin, Hamburg, Leipzig/Dresden. Die Kamerun Sammlung im Linden-Museum besteht aus ca. 8800 Objekte. Berlin und die Staatlichen Ethnologischen Sammlungen Sachsen beherbergen jeweils ca. 5500 Objekte und Hamburg etwa 1500 aus der Kolonie Kamerun. Aufgrund der großen Anzahl von Objekten in diesen vier Museen konzentriert sich das gesamte Projekt auf eine bestimmte Kategorie von Artefakten: die Machtobjekte oder Symbole der Macht. Diese Beschränkung dient u.a. dazu, eine vollständige fotografische Erschließung der Machtobjekte in den beteiligten Häusern zu ermöglichen.
Die historischen Bestände dieser vier Communities belaufen sich auf ca. 3600 Inventarnummern, von denen etwa 500 Machtobjekte sind. Im Mittelpunkt der Betrachtung dieser Objekte steht die Frage nach der deutschen Kolonisation in Kamerun, die zur Translokation der Objekte bzw. Machtobjekte dieser Communities geführt hat. Das Projekt erforscht durch Provenienzforschung in Deutschland und in Kamerun die Translokation sowie die Biografien von ausgewählten Machtobjekten in Austausch mit Communities Expert:innen und Forschungsinstitutionen: die Universität Dschang, die Universität Bertoua und das Nationalmuseum. Ziel des Projekts Com-Ansatz ist es, die Perspektiven und Provenienzgeschichten der Herkunftsgesellschaften in den Fokus zu stellen, lokal durch Oral History oder andere bzw. alternative Quellen (z.B. lokale Archive) übermittelte Erwerbszusammenhänge zu verfolgen und sie mit den schriftlichen Quellen zu vergleichen. Es ist von entscheidender Bedeutung die Bedeutung, die Herkunft, die Wege und die Zukunft dieser Objekte zu klären, denn abgesehen von Einzelfällen wie der Mandu Yenu in Berlin, wurden die Machtobjekte dieser Communities noch nicht gründlich erforscht, weder im Einzelnen noch in dieser zusammenhängenden Konstellation.
Der Community-orientierter Ansatz ist innovativ in diesem Forschungsbereich und legt Grundlagen für die zukünftige Erforschung von Objekten anderen ehemaligen kolonisierten Communities in Kamerun, indem er einen Überblick über die Bestände der Communities in deutschen Museen schafft und die Zusammenarbeit der Communities selbst eine Voraussetzung für die Erforschung des kulturellen Erbes bildet. Bei diesem methodischen Verfahren werden die Konvolute nach ihren Herkunftsgemeinschaften, nicht ihren "Sammlern", ausgesucht. Dank dieser Methode spricht man auch von Communities Konvolute in deutschen Museen. Die Feldforschung wird um die "Community Hubs" in Duala, Fumban, Edea und Atok organisiert. Dieses experimentelle Verfahren zielt darauf ab, eine kontinuierliche Gesprächsplattform zu schaffen, die über den königlichen Hof hinausgeht, damit die Nachkommen (nicht-)königlicher Familien mit kolonialer Erfahrung zu Wort kommen. Neben der Provenienzforschung zielt das Projekt darauf ab, einen Zugang durch eine fotografische Datenbank, die Bewahrung der Erkenntnisse durch die Veröffentlichung eines mehrsprachigen Buches zu den erforschten Machtobjekten zu schaffen und einen Beitrag zur Erforschung der Erinnerungskultur in den Communities zu leisten. Die Ergebnisse werden nicht nur online veröffentlicht, sondern den Communities auch zusammen mit den Fotos ihrer Machtobjekte zur Verfügung gestellt.
© Linden-Museum Stuttgart