Einzelfallrecherchen zu Verdachtsfällen von NS-Raubgut in den Stadtmuseen Bad Wildungen und Eschwege

Förderbereich:
NS-Raubgut
Zuwendungs­empfänger:
  • Museumsverband Hessen e.V.
  • Stadtmuseum Bad Wildungen
  • Stadtmuseum Eschwege
Bundesland:
Hessen
Ansprechpartner:
Dr. Saskia Johann

PositionReferentin für Provenienzforschung, Museumsverband Hessen

Tel.0561 7889 - 46697

E-Mailsaskia.johann@museumsverband-hessen.de

Projekttyp:
Kurzfristig
Projektlaufzeit:
bis
Beschreibung:

Das Projekt beinhaltete Einzelfallrecherchen zu 68 Objekten aus den Stadtmuseen Bad Wildungen und Eschwege, die der Erstcheck des Museumsverbandes Hessen 2022 als mögliches NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut bestimmte. Die objekt- und personenbezogene Recherche stützte sich auf die Auswertung von Museums- und Archivquellen, auf digital zugängliche Unterlagen und die Forschungsliteratur. Sie bezog auch die Ansprache von Fachkolleg:innen und ehemaligem Museumspersonal ein. Die Untersuchung zu den Objekten im Hinblick auf ihre Vorbesitzer:innen sollte möglichst klären, ob sie tatsächlich aus dem Besitz von NS-Verfolgten, insbesondere von jüdischen Bürger:innen stammen, oder ob das auszuschließen ist.

Gegenstand der Recherchen waren drei Gemälde von Wilhelm von Kaulbach, Anton Kaulbach und Theodor Rocholl sowie eine Lithografie von Oskar Kokoschka, sieben Judaica-Objekte und 57 Bücher.

Zwei der Gemälde erwarb das Stadtmuseum Bad Wildungen während der NS-Zeit über das Auktionshaus von Wilhelm Ettle, das nachweislich mit enteignetem jüdischem Besitz handelte. Da die rechtmäßigen Eigentümer:innen bislang nicht ermittelt werden konnten, sollen diese Objekte in der Lost Art-Datenbank veröffentlicht werden. Ein weiteres Gemälde stammt aus dem Besitz eines sogenannten Ariseurs und ist NS-verfolgungsbedingt entzogen worden. Museum und Träger streben hier eine gerechte und faire Lösung an.

Die Lithografie befindet sich seit 1989 als Dauerleihgabe in der Kunstsammlung Eschwege. Bis zum Projektende deuteten die Recherchen darauf hin, dass das Werk nicht aus dem Besitz des jüdischen Kunstkritikers und Schriftstellers Paul Westheim stammt, wie zunächst vermutet. Aufgrund des verzögerten Rücklaufs einiger Anfragen ergaben sich nach Projektende jedoch neue Hinweise, die eine erneute Überprüfung des bisherigen Ergebnisses erforderlich machen. Ein bislang unberücksichtigtes Quellenkonvolut soll daher im Nachgang des Projekts noch eingesehen werden.

Die untersuchten Judaica-Objekte gelangten seit Ende der 1980er Jahre in die beiden städtischen Museen. Sie wurden im Rahmen einer verstärkten Auseinandersetzung mit der Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Eschwege und Bad Wildungen angekauft oder geschenkt, da am Ort selbst nur wenige Objekte jüdischen Ursprungs erhalten geblieben waren. Ein Sabbath-Leuchter konnte der jüdischen Familie Katz aus Bad Wildungen zugeordnet werden. Die rechtmäßigen Erb:innen leben nach aktuellem Kenntnisstand vermutlich in Südafrika und sollen ermittelt werden.

Die im Stadtmuseum Bad Wildungen befindlichen Bücher stammen ursprünglich aus der Bibliothek der Kasseler Synagoge. Eine Rückgabe an die jüdische Gemeinde ist vorgesehen; entsprechende Gespräche werden derzeit geführt.

Für einen Großteil der im Projekt untersuchten Objekte konnten somit konkrete Handlungsschritte formuliert werden, die nun von den beiden Museen umgesetzt werden. Dazu zählen insbesondere die Eintragung von sieben Objekten in die Lost Art-Datenbank, die Ermittlung der Erb:innen der Familie Katz sowie die Vorbereitung und Durchführung der Rückgabe der Bücher.

Einige wenige Anfragen an verschiedene Institutionen blieben bis zum Projektende unbeantwortet. Die weitere Korrespondenz wird daher von den Museen übernommen. Damit werden sich beide Häuser auch über den Projektzeitraum hinaus mit diesen Objekten befassen. Der Museumsverband Hessen wird die Museen bei der weiteren Bearbeitung unterstützen, sodass die enge Zusammenarbeit mit beiden Institutionen über das Projektende hinaus fortgeführt wird.

© Stadtmuseum Eschwege, Städtische Museen Bad Wildungen, Museumsverband Hessen e. V.