Erforschung von Objekten vermeintlich jüdischer Herkunft in der Fläche von Sachsen-Anhalt – die Tiefenprüfung nach dem Erstcheck
Anne Sarah Matviyets
PositionProjektleitung
Tel.03941606710
E-Mailmatviyets@mma-hbs.de
Eva-Maria Thiele
PositionProjektkoordination
Anne Paschen
PositionWissenschaftliche Mitarbeiterinnen Provenienzforschung
Marie Luise Wallroth
PositionWissenschaftliche Mitarbeiterinnen Provenienzforschung
In dem Projekt "Erforschung von Objekten vermeintlich jüdischer Herkunft in der Fläche von Sachsen-Anhalt die Tiefenprüfung nach dem Erstcheck" werden von zwei Forscherinnen in einem Zeitraum von zunächst einem Jahr die Biografien von 176 Objekten erforscht, bei denen der Verdacht besteht, dass sie in der NS-Zeit verfolgungsbedingt verkauft, abgepresst oder zurückgelassen worden sein könnten. In diesem bisher beispiellosen Projekt werden in Sachsen-Anhalt so Objekte aus 22 Sammlungen von Museen untersucht, die ansonsten den Verdachtsmomenten aufgrund fehlender personeller und finanzieller Ressourcen und oft mangelnder Expertise in der Provenienzforschung nicht nachgehen können.
Aufgrund der inhaltlichen Verortung und der langjährigen Kompetenzbildung im Bereich jüdische Sammlungen und jüdische Geschichte in Sachsen-Anhalt leitet das Berend Lehmann Museum, das von seiner Trägerstiftung, der Moses Mendelssohn Akademie, getragene Projekt.
Als Kooperationspartner fungieren der Museumsverband Sachsen-Anhalt e.V. und die folgenden 22 kooperierenden Museen: 1. Berend Lehmann Museum, 2. Museum Aschersleben, 3. Stadtmuseum "Wilhelm von Kügelgen" Ballenstedt, 4. Museum Schloss Bernburg, 5. Kreismuseum Bitterfeld, 6. Anhaltische Gemäldegalerie Dessau, 7. Museum für Stadtgeschichte Dessau, 8. Museum Schloß Neuenburg (Bestände ehemalig. Kreismuseum) Freyburg, 9. Museum Heineanum Halberstadt, 10. Städtisches Museum Halberstadt, 11. Stadtmuseum Halle (Saale), 12. Historisches Museum für Mittelanhalt & Bach-Gedenkstätte Köthen, 13. Museum im Schloss Lützen, 14. Börde-Museum Ummendorf/Bestand Oschersleben, 15. Kreismuseum Osterburg, 16. Spengler-Museum Sangerhausen, 17. Salzlandmuseum Schönebeck/ Elbe, 18. Winckelmann-Museum Stendal, 19. Börde-Museum Burg Ummendorf, 20. Museum Schloß Neu-Augustusburg Weißenfels, 21. Harzmuseum Wernigerode und 22. Museum Schloss Zeitz.
Hintergrund: In den Jahren 2016 bis 2021 hat der Museumsverband Sachsen-Anhalt e.V. in vier Staffeln insgesamt 30 Museen in Sachsen-Anhalt einem Erstcheck NS-Raubgut zur Prüfung von Verdachtsmomenten auf NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut unterzogen. Dabei wurden bei 172 Objekten aus 21 Museen Verdachtsmomente auf NS-verfolgungsbedingten Entzug von jüdischen Eigentümer:innen gefunden. Oft sind es beim Erstcheck NS-Raubgut einzelne Funde, für die ein Museum kein Einzelprojekt aufsetzen oder kaum anderweitig diffizile, fachspezifische Recherchen selbst unternehmen kann. In diesem Zuge widmet sich das Berend Lehmann Museum auch Objekten aus der eigenen Sammlung mit ungeklärter Besitzgeschichte aus der NS-Zeit.
Möglicherweise jüdisches Eigentum, das in der NS-Zeit verfolgungsbedingt verkauft, abgepresst oder zurückgelassen worden sein könnte, liegt vor in den 21 Museen:
•bullet bei Alltagsgegenständen mit Hinweisen auf jüdische Gewerbetreibende oder jüdischen Vorbesitz (18 Objekte),
•bullet bei Judaica (44 Objekte),
•bullet bei Objekten mit thematischem Bezug zum Judentum (46 Objekte),
•bullet bei möglicherweise jüdischen Namen in den Dokumentationsunterlagen (64 Objekte)
Die Recherchen konzentrieren sich zunächst auf Ritualgegenstände und Judaica.
Das Projekt wird gefördert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste und der PostCode Lotterie.
© Berend Lehmann Museum - Moses Mendelssohn Akademie