Kolonialzeitliche Sammlungen aus Indonesien in Niedersachsen. Eine deutsch-niederländisch-indonesische Verflechtungsgeschichte
- Landesmuseum Hannover. Koordinationsstelle des Netzwerks Provenienzforschung in Niedersachsen
- Niedersächsischen Landesmuseums Hannover. Ethnologische Sammlung
- Städtisches Museum Braunschweig
- Staatliches Naturhistorisches Museum (Braunschweig)
- Georg-August-Universität Göttingen. Institut für Ethnologie
- Georg-August-Universität Göttingen. Ethnologische Sammlung
- Roemer- und Pelizaeus Museum Hildesheim
- Naturforschende Gesellschaft zu Emden von 1814
- Ostfriesisches Landesmuseum Emden
- Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg
Koordiniert vom Museumsverband für Niedersachsen und Bremen e.V. (MVNB) und gefördert durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste gehört das Projekt zu den ersten systematischen Untersuchungen indonesischer Sammlungen in Niedersachsen. Der MVNB stärkt damit die Provenienzforschung als seine übergeordnete Aufgabe und fördert die Qualität, Transparenz und Verantwortung für diesen Bereich in der Museumsarbeit.
Die Studie untersucht Bestände, die zwischen 1830 und 1930 erworben wurden und über 1.400 Objekte umfassen von menschlichen Überresten, geheim-sakralen Objekten und rituellen Gegenständen bis hin zu Textilien, Manuskripten und naturkundlichen Präparaten die sich in den Museen in Hannover, Hildesheim, Göttingen, Oldenburg, Emden und Braunschweig befinden. Komplexe heterogene Netzwerke des Austauschs, der Aneignung und der Übersetzung zwischen Indonesien, den Niederlanden und Deutschland prägten diese Sammlungen.
In der ersten Projektphase wurden die Biografien von 51 Sammlern rekonstruiert, die eine vielfältige Gruppe von Akteuren Wissenschaftler, Ärzte, Missionare, Kaufleute und Kolonialbeamte offenbaren, deren Tätigkeiten sich über den gesamten indonesischen Archipel erstreckten. Die Ergebnisse zeigen, wie menschliche Überreste und Objekte rituellen oder wissenschaftlichen Wissens aus ihren ursprünglichen Kontexten gelöst, unter europäische Klassifikationen gestellt und innerhalb imperialer Systeme von Wissen und Prestige zirkuliert wurden. So konnten Fehlzuordnungen identifiziert werden etwa "Batak"-Manuskripte aus Südsumatra oder Kris, die über unterschiedliche Wege nach Deutschland gelangten. Sie verdeutlichen, wie koloniale Hierarchien epistemische Autorität und Sammlungspraxis formten.
Zur Auseinandersetzung mit diesen Asymmetrien arbeitet das Projekt mit Partnern in Indonesien und den Niederlanden zusammen, um gemeinsame Ansätze im Umgang mit sensiblen Beständen, darunter menschliche Überreste, zu entwickeln und zu einem transparenten und dekolonialen Verständnis des indonesischen kulturellen und naturkundlichen Erbes in den Museen Niedersachsens beizutragen.
Um diese internationalen Kooperationen zu stärken und den künftigen Umgang, etwa mögliche Restitutionen und Repatriierungen, auf einem kollaborativen Level diskutieren zu können, wird im zweiten Projektjahr eine internationale Konferenz stattfinden.