NS-Raubgut in wertvollen Sondersammlungen der UB JCS Frankfurt (Erscheinungsjahre 1501-1945)

Förderbereich:
NS-Raubgut
Zuwendungs­empfänger:
Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg
Bundesland:
Hessen
Ansprechpartner:
Bernhard Wirth

PositionProjektleiter

E-Mailprovenienzforschung@ub.uni-frankfurt.de

Daniel Dudde M.A.

PositionProjektmitarbeiter

E-Mailprovenienzforschung@ub.uni-frankfurt.de

Darleen Pappelau M.A.

PositionProjektmitarbeiterin

E-Mailprovenienzforschung@ub.uni-frankfurt.de

Projekttyp:
Langfristig
Projektlaufzeit:
bis
Beschreibung:

Die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg (UB JCS) hat ihre Wurzeln in der Frankfurter Ratsbibliothek (1484), der Senckenbergischen Bibliothek (1763), der Rothschildschen Bibliothek (1888) und der Bibliothek für Kunst und Technik (1879). Seit 1914 versorgten diese die neu gegründete Universität. Im Zweiten Weltkrieg wurden einige der Bibliotheken zerstört, nur ein Teil der Bestände überlebte. Nach dem Krieg entstand daraus die Stadt- und Universitätsbibliothek, die seit 2005 gemeinsam mit der Senckenbergischen Bibliothek die UB JCS bildet. Viele Bestände sind Dauerleihgaben, etwa der Stadt Frankfurt oder der Dr. Senckenbergischen Stiftung.

Der zu untersuchende Bereich umfasst sieben Teilbestände der Sondersammlungen, von denen zwei Sammlungen bereits seit den 1930er Jahren aufgebaut wurden (N.libr.Ff. und W). Die weiteren Teilbestände wurden nach 1945 zur Separierung der wertvollen Bestände neu aufgebaut. Darin finden sich sowohl Umarbeitungen von bereits vorhandenem Bestand als auch Neuzugänge ab 1945. Den Grundstock der jeweiligen Bestandsgruppen bildeten die nicht kriegszerstörten Restbestände der Frankfurter Bibliotheken, sowie die 1944/45 in umfangreichen Maß vorhandenen unbearbeiteten Bestände der Zugänge aus den 1930-40er Jahren, sowie Antiquariatskäufe der Jahre 1944-1945. Ein nicht unerheblicher Teil der Zugänge der 1930er Jahre bilden Bücher aus dem liquidierten jüdischen Antiquariat Baer. Hinzu kommen in allen Bestandsgruppen umfangreiche Übernahmen aus dem Offenbacher Archival Depot der amerikanischen Militärregierung, deren nicht restituierte Restbestände an die Frankfurter Stadt- und Universitätsbibliothek gegangen waren.

In den Jahren 2020-2025 konnte in der UB JCS ein erstes Provenienzforschungsprojekt in einem Teilbereich des allgemeinen Bestands mit Förderung des Zentrums durchgeführt werden. In den Beständen der UB JCS finden sich zahlreiche Raubgutfälle aus der NS-Zeit, aus der Übernahme der Restbestände des Offenbacher Archival Depots der amerikanischen Militärregierung und durch antiquarische Ankäufe der Zeit nach 1945. Im genannten ersten Projekt haben sich die Verdachtsmomente bestätigt, dass dadurch etliche Raubgut-Bände in den Bestand der heutigen UB JCS gelangten. Es wurden sogar deutlich mehr Raubgutfälle ermittelt, als vor Projektbeginn angenommen worden war. Auch in den jetzt zu prüfenden Sondersammlungen wird ein deutlicher Anteil an Raubgut erwartet.

Die Bereiche werden per Autopsie auf Provenienzmerkmale hin geprüft, insgesamt ca. 30.750 Bände. Zugangsbücher zu den fraglichen Beständen sind teilweise vorhanden, geben jedoch kaum Auskunft über verdächtige Zugänge. Dafür wird jedes einzelne Buch in die Hand genommen und nach vorhandenen Provenienzmerkmalen wie Stempeln, Autogrammen, Widmungen oder Exlibris hin untersucht. Diese Merkmale werden fotografiert und dokumentiert.

Die UB JCS erfasst zudem ihre Rechercheergebnisse im Katalog des Hessischen Bibliotheksverbundes hebis, so dass Angaben zum Vorbesitz im Online-Katalog der UB sichtbar und recherchierbar sind. Auf diesem Weg werden die gewonnenen Erkenntnisse einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Gleichzeitig wird eine vertiefte Kooperation zwischen den Provenienzforschung betreibenden Bibliotheken ermöglicht.

Des Weiteren werden NS-Raubgutfunde an die Lost-Art-Datenbank gemeldet, Eintragungen in Looted Cultural Assets (LCA) vorgenommen und die Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit durch Vorträge, sowie Veröffentlichungen vorgestellt.

© Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Frankfurt am Main