Private Kunstsammlungen im Zweiten Weltkrieg und in der Nachkriegszeit. Kontexte der kriegsbedingten Kulturgutverlagerung unter besonderer Berücksichtigung der Abtransporte in die Sowjetunion aus Dresden und Dessau
Dr. Ulrike Schmiegelt-Rietig
PositionProjektleitung
Tel.+49 (0) 331 96 94 874
E-Mailu.schmiegelt(at)spsg.de
Dr. Ralph Jaeckel, Dr. Anne Kuhlmann-Smirnov
PositionProjektmitarbeitende
Das Forschungsprojekt widmet sich der Untersuchung von Kulturgütern aus Privatbesitz, die während des Zweiten Weltkriegs und danach aus der sowjetisch besetzten Zone Deutschlands in die Sowjetunion gelangten oder in ehemals deutschen, heute polnischen Gebieten verblieben. Es knüpft an das 2025 abgeschlossene Kooperationsprojekt mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg zu Berliner und Brandenburger Privatsammlungen an (über 8.000 ermittelte und teils identifizierte Objekte).
Grundlage bildet die Datenbank des Deutsch-Russischen Museumsdialogs (DRMD) über nach Kriegsende in die Sowjetunion verlagerte Kulturgüter aus deutschen Sammlungen mit rund 100.000 Einträgen zu Einzelwerken und Objektkonvoluten. Unter den insgesamt etwa 2,6 Millionen verbrachten Objekten befanden sich vereinzelt auch Werke aus Privatbesitz, darunter Dresdener und Dessauer Kollektionen.
Das aktuelle Forschungsvorhaben überträgt die im Vorgängerprojekt für die Metropolenregion Berlin-Potsdam entwickelte Methodik auf zwei weitere durch Kriegseinwirkungen und Abtransporte besonders betroffene Regionen: Dresden und Dessau. Beschlagnahmt und verbracht wurden nicht nur museale Objekte, unter ihnen Spitzenwerke der europäischen Kulturgeschichte, sondern auch Werke aus seit dem Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen Privatsammlungen.
Von Dessau als historische Residenzstadt des Fürstentums Anhalt ist bereits bekannt, dass im April 1946 Kunstwerke aus 15 Dessauer Privatkollektionen vom Auslagerungsort Solvayhall in eindeutig beschrifteten Kisten über Berlin nach Leningrad gelangten. Deutsche Auslagerungsverzeichnisse und Übernahmeprotokolle der Eremitage ermöglichen eine detaillierte Rekonstruktion dieses Transports, wenn auch die Kisteninhalte teilweise lückenhaft erfasst wurden. Die Recherchen konzentrieren sich auf die Anhaltische Gemäldegalerie Dessau, die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz sowie auf Landes- und Stadtarchive.
Dresden zählt traditionell zu den führenden deutschen Kunst- und Kulturzentren mit einer lebendigen privaten Sammlerlandschaft, darin eingebettet ein bedeutendes jüdisches Kulturleben, ergänzt durch starke Verwaltungs-, Bildungs- und Bankstrukturen. Ob wie für Dessau belegt staatliche und kommunale Einrichtungen an der Bergung privater Kunstbestände beteiligt waren, gehört zu den zentralen Forschungsfragen. Zugleich soll das Projekt die bisher kaum erforschte Kultur um die Dresdner Privatsammlungen weiter erschließen.
Wie im Vorgängerprojekt sollen mithilfe der DRMD- und anderen Datenbanken sowie weiterer Quellen die Wege privater Kulturgüter rekonstruiert werden von der Auslagerung oder Beschlagnahme über ihren Transport in die UdSSR bis hin, soweit möglich, zu ihrem heutigen Standort. Eine vergleichende Analyse der Sicherungs- und Bergungsmaßnahmen in Berlin, Brandenburg, Dresden und Dessau bildet den Abschluss des Projekts.
© Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
- Provenienzforschung in der Gemäldesammlung (Ankäufe der West-Berliner 'Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten' zwischen 1950-1995)
- Klärung von Eigentumsverhältnissen / Restitution von Gemälden (Restitution von Gemälden und Kunstgewerbe)
- Private Kunstsammlungen im Zweiten Weltkrieg und in der Nachkriegszeit. Kontexte der kriegsbedingten Kulturgutverlagerung unter besonderer Berücksichtigung der Abtransporte in die Sowjetunion