NS-Raubgut im MARKK: Sammlungseingänge 1933 bis 1952
Jana C. Reimer
PositionProvenienzforschung NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut
Tel.+49 (0)40/428 879–551
E-Mailjanacaroline.reimer@markk-hamburg.de
Julianne de Sousa
PositionProvenienzforschung NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut
Tel.+49 (0)40/428 879–586
E-Mailjulianne.desousa@markk-hamburg.de
Inhalt des Projektes ist eine systematische Untersuchung und Überprüfung der Objekteingänge zwischen 1933 und 1945, erweitert um die Eingänge der Nachkriegszeit bis 1952.
Da die Sammlungsverwaltung des Museums nach Weltregionen strukturiert ist, gehören die projektrelevanten Objektbestände und Sammlungen museumsintern in unterschiedliche Sammlungsbereiche. Das Projekt ist somit als sammlungsübergreifend einzuordnen.
Das MARKK verfügt über ein zentrales, datenbankgestütztes Sammlungsdokumentationssystem, in dem zu Beginn des Projekts insgesamt 1.418 projektrelevante Objektsammlungen von Februar 1933 bis einschließlich 1952 erfasst waren. Im Laufe des bisherigen Projekts wurden 188 Konvolute unterschiedlichen Umfangs als konkrete Verdachtsfälle untersucht. Unberücksichtigt der Untersuchung bleiben die Bestände im Rahmen des ersten Provenienzforschungsprojektes zu NS-Raubgut am MARKK von 2021 bis 2023, ebenso die Eingänge der mittlerweile an andere Häuser überwiesenen Sammlungen der Vor- und Frühgeschichte und der Anthropologischen Abteilung sowie sogenannte Werkstattanfertigungen (Modelle und Objektnachbauten aus der museumseigenen Werkstatt). Die Abteilung Vor- und Frühgeschichte wurde in den 1970er Jahren an das neugegründete Helms-Museum Hamburg, die Anthropologische Abteilung größtenteils an die Universität Göttingen abgegeben, beide mit erweiterter Dokumentation.
Zur Überprüfung von Kulturgütern, die infolge der nationalsozialistischen Verfolgung beschlagnahmt wurden, sind die Daten zu den Vorbesitzenden bzw. Objektveräußernden im Zusammenhang mit den jeweiligen Sammlungen wie folgt strukturiert: Eingänge von Privatpersonen, Bestände aus öffentlichen Einrichtungen und Institutionen sowie von Verbänden zwischen 1933 und 1945 und Objekthandel.
Durch Stichproben zum Zeitpunkt des Projektantrags konnten bereits entsprechende Sammlungscluster für eine vertiefende Untersuchung definiert werden. Darunter fallen Eingänge von Privatpersonen, die bekanntermaßen Verfolgte des Nationalsozialismus waren, sowie Objekt-Handelnde, wie die Familie des Hamburger Ethnografica-Händlers Julius Konietzko (1886-1952) und ihr Umfeld. Der Großteil der hier zuzuordnenden Eingänge stammt aus dem Handel und den Sammlungen von Konietzko.
Als Ergebnis des ersten und 2023 abgeschlossenen NS-Raubgut-Projekts haben sich für den Zugangsstatus "Leihgabe" Erkenntnisse ergeben, die eine Untersuchung dieser Bestände erforderlich macht: So waren Einzelpersonen zum einen verfolgungsbedingt nicht mehr in der Lage, ihre Bestände vom Museum zurückzufordern, zum anderen besteht die Vermutung, dass einzelne Objektbestände von Verfolgten als Leihgabe an das Museum zur Verwahrung bzw. Depositum übergeben worden sein könnten. Bei erfolgter Rückgabe können zudem Einzelobjekte im Haus verblieben sein.
Ebenfalls überprüft werden Eingänge, die als "Alter Bestand" oder mit unklaren Angaben erfasst wurden. "Alter Bestand" bezieht sich auf Objekte und Konvolute, die zu einem unbestimmten früheren Zeitpunkt in die Sammlungen eingingen, jedoch nicht mehr eindeutig zugeordnet werden können, oder ihren Status verändert haben.
Die Untersuchung aller ausgewählten Bestände beinhaltet eine Klärung von Erwerbs- und Besitzstatus sowie eine entsprechende Hinterfragung der Sammlungsgeschichte. Bei einzelnen Objekten erfolgt die Dokumentation und Erforschung spezifischer Provenienzmerkmale beispielsweise Sammel-, Auktionsnummern, Stempel und Aufkleber, welche dabei helfen können, die wechselvollen Besitzverhältnisse der Objekte zu rekonstruieren.
Bei der systematischen Prüfung aller für den Untersuchungszeitraum relevanten Einträge wurden weitere Verdachtsfälle identifiziert, die einer zusätzlichen eingehenden Prüfung bedürfen. Aus diesem Grund wurde eine Verlängerung des Provenienzforschungsprojekts zu NS-Raubkunst am MARKK beantragt und bewilligt. Derzeit werden weitere 44 Sammlungen aus acht verschiedenen Einrichtungen geprüft. Ihre Prüfung entspricht dem bisher im Projekt angewandten Verfahren.
© Museum am Rothenbaum MARKK.
- Handelsnetzwerke als Basis des kolonialen Ethnografica-Vertriebs Westafrikas und Ozeaniens und Beschaffer von Sammlungsgut für das Hamburger Museum für Völkerkunde (1860-1920)
- Provenienzforschung zu NS-Raubgut im Museum am Rothenbaum: Erste systematische Überprüfung ausgewählter Bestände
- Die erste Reise der Hamburger Südsee-Expedition 1908/1909: Kolonialer Erwerbungskontext der ethnografischen Sammlungen