Provenienzforschung: Ainu-Sammlung der Museen der Stadt Bamberg
Dr. Kristin Knebel
PositionDirektorin der Museen der Stadt Bamberg
E-Mailmuseum@stadt.bamberg.de
Arne Schönfeld
PositionKurator der Museen der Stadt Bamberg
Tel.0951 87 1148
E-Mailarne.schoenfeld@stadt.bamberg.de
Die Museen der Stadt Bamberg verwahren eine große Sammlung an Objekten aus den verschiedensten Kontexten, die bisher nur in sehr geringem Umfang untersucht oder bearbeitet wurden. Das Forschungsprojekt „Provenienzforschung: Ainu-Sammlung der Museen der Stadt Bamberg befasst sich mit der Aufarbeitung von zwei Konvoluten in der Asien-Sammlung der Museen: 1. Objekten der japanischen Volksgruppe der Ainu und 2. Stücken, die als Kriegsbeute aus dem chinesisch-japanischen Krieg markiert und in Japan verkauft wurden. Alle diese Objekte wurden vom Bamberger Joseph Schedel während eines längeren Japanaufenthalts vor Ort erworben. Der Apotheker betrieb nach eigener Aussage naturwissenschaftliche und anthropologische Forschungen. Der größte Teil seiner Studien, Vorträgen und Aufzeichnungen sind im Stadtarchiv Bamberg erhalten und werden aktuell einer genauen Prüfung unterzogen.
Aus Tagebucheinträgen über seine spätere Sammeltätigkeit in China konnte bereits ersehen werden, dass Schedel Zwangssituationen, wie Klosterauflösungen, wissentlich ausnutze, um sich wertvolle Objekte zu unangemessen niedrigen Preisen zu sichern. Zu den Ainu konnten bisher lediglich Vortragsmanuskripte Schedels über diese Volksgruppe identifiziert werden. Weiterhin wurden Vermerke gefunden, dass Schedel seine eigenen Aufzeichnungen teilweise redigierte, bevor er sie der Stadt überließ und dass offizielle Vertreter der Stadt „anstößige Teile der Aufzeichnungen in den 1940er Jahren entsorgt haben.
Ziel des Projektes ist es, soweit möglich die dezidierte Herkunft der untersuchten Objekte zu ermitteln und sie wissenschaftlich aufzuarbeiten. Gleichzeitig gilt es zu ermitteln, aus welchem Kontext sie zum Erwerbszeitpunkt entnommen wurden und wie ihre Weiterverwendung etwa als Forschungsgegenstand geartet war. Das Projekt wird durch Expert:innen und Vertreter:innen der Herkunftsgesellschaft (z.B. National Ainu Museum, Ainu Association of Hokkaidō, u.a.) begleitet und unterstützt. Die Projektergebnisse werden u.a. im Zuge einer Sonderausstellung einer möglichst breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
© Museen der Stadt Bamberg